Stell Dir vor es ist Abitur und keiner geht hin

Die StadtschülerInnnen Vertretung München spricht sich gegen das Abitur aus.

„Stell dir vor, es ist Abi und keiner geht hin“- StadtschülerInnenvertretung (SSV) München kritisiert Leistungsdruck beim Abitur.
Mit einer Protestaktion fordern die Jugendlichen die Gesellschaft auf, zu hinterfragen, wie gesellschaftliche Strukturen über Abschlüsse und Zertifikate maßgeblich mitbestimmt werden.

Auch Menschen ohne Abitur können gute Ärzte sein oder ein Interesse an einem Philosophiestudium mitbringen – die Träume bleiben dabei jedoch meist weit hinter der Wirklichkeit zurück. Die SSV fordert daher verstärkt, Eignungsprüfungen für Studiengänge einzuführen, um die wirklich wichtigen Kompetenzen zu prüfen und dafür die Anerkennung aller Schulabschlüsse neu zu überdenken.

Am Freitag den 29.04.2016 findet für über 40.000 bayerische Schülerinnen und Schüler die erste Abiturprüfung statt. Für viele ist diese Prüfung in Mathe die entscheidende, mit der das Abi steht oder fällt.

„Nicht nur die Osterferien sondern auch der Geldbeutel der Eltern leidet: In meiner Jahrgangsstufe hat etwa die Hälfte einen Mathe Vorbereitungskurs für das Abitur besucht.“, erzählt die 18-jährige Schülerin Luka Fischer.

Doch in allen Fächern spüren die Schülerinnen und Schüler hohen Druck, die Anforderungen sind sehr hoch.

Über zwölf Jahre hinweg wird den Kindern und Jugendlichen vermittelt, das Abitur sei das einzig Wahre und Wichtige. In der Schule geht es nicht um Bildung es geht um Prüfungen, eine nach der anderen, die den Weg zum Abschluss mal einfacher gestalten mal schwerer. Noten in der Grundschule, die Selektion und Aufteilung auf verschiedene Schularten in der vierten Klasse und nun die Abiturprüfungen als Höhepunkt. Viel Zeit für Persönlichkeitsentwicklung oder eigene Interessen bleiben da nicht, kritisiert die SSV.

Stell Dir vor es ist Abitur und keiner geht hin

Stell Dir vor es ist Abitur und keiner geht hin


Die Anspielung auf das Zitat von Bertolt Brecht „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ soll dabei keineswegs die Abiturprüfungen mit Krieg gleichsetzen sondern lediglich zeigen, dass letztlich jedeR einzelne Teil des Ganzen ist und durch seinen Beitrag die Gesellschaft in der wir leben mitbestimmt – und entweder schweigend hinnimmt oder aufsteht und sich einsetzt, z.B. für ein besseres Bildungssystem, in dem es neben Druck auch Zeit gibt.

Die letzten zwei Jahre waren für die Jugendlichen ein Ringen um jeden Punkt. Die Erfüllung des Numerus Clausus hängt damit letztlich auch von stimmungsbedingten, mündlichen Noten ab, die maßgeblich von subjektiven Eindrücken der Lehrkräfte geprägt sind. Von vielen Faktoren – die nichts über die Leistung oder die Kompetenz einer Person aussagen – hängt also am Ende ab, ob jemand die Chance bekommt, seinem gewünschten Beruf oder auch nur seinem Interesse nachzugehen oder nicht.

„Uns geht es nicht darum, etwas geschenkt zu bekommen. Wir wollen nicht als Kinder abgestempelt werden, die mit dem Fuß stampfen, weil sie Leistungen abliefern müssen. Mit unserer Aktion wollen wir auf die viel zu große Bedeutung von Prüfungen in unserem Bildungssystem hinweisen und rufen dazu auf, gemeinsam Testverfahren zu entwickeln, die die wirkliche Eignung des einzelnen Menschen individuell beurteilen können!“, betont Luka Fischer abschließend.