Dialog mit Schülern – Hannah

Dialog mit Schülern – Hannah

Als Schülervertreterin – ganz offiziell, versteht sich – bat ich den Kultusminister um einen Termin seiner Wahl für ein Treffen im nächsten halben Jahr. Wir wollten ihm einen Umschlag, mit seit 2014 gesammelten Schülerwünschen, überreichen. In der Antwort hieß es, er habe persönlich leider keine Zeit. Ein Zeitrahmen von einem halben Jahr sollte jedoch auch für einen Kultusminister ein langer Terminvorlauf sein. Er wird nie genug Geld haben um alles zu bezahlen und nie genug Zeit um mit jedem zu reden, also ist das Ganze eine Prioritätenfrage. Die natürliche Folgerung daraus ist, dass der Dialog mit uns Schülern schlicht nicht auf der Prioritätenliste des Kultusministeriums steht.

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„Rede nicht über uns, rede mit uns!“

Wir Schüler verbringen jährlich aber rund 190 Tage in Dr. Ludwig Spaenles Schulsystem, erleben dort wöchentlich um die 30 Unterrichtstunden und können somit jährlich auf einen Erfahrungswert von 1140 Schulstunden der unterschiedlichsten Lehrkräfte, mit verschiedensten Unterrichtsmethoden, zurückgreifen. Was läge also eigentlich näher, als diesen Erfahrungsschatz zu nutzen und diejenigen miteinzubeziehen, die jede Schulreform hautnah betrifft. Lieber Kultusminister, auch für Sie gilt: Rede nicht nur über uns, rede mit uns!

Es gibt knapp 1,7 Millionen Schüler in Bayern, im Landesschülerrat ist jedoch gerade mal Platz für 6 Landesschülersprecher und ihre 6 Stellvertreter. Die Anschrift dieses freien Landesschülerrats ist Salvatorplatz 1; seine Gesetze und Richtlinien stammen vom Kultusministerium und das lehnte 95% seiner Anträge ab. Einer dieser Anträge forderte das Schulfach Kommunikation, da Kommunikation in Bezug auf Schüler nicht unbedingt das Schwerpunktthema des Kultusministeriums ist, wird es niemanden überraschen, dass auch dieser Antrag abgelehnt wurde.

Im Gegensatz zum Kultusministerium sind sich manche Lehrer durchaus bewusst, wie wichtig Kommunikation mit uns Schülern ist, der ehemalige Präsident des größten Lehrerverbands Klaus Wenzel meinte sogar, dass der Landesschülerrat, kurz LSR, eigentlich Ludwig Spaenle Ratgeber heißen sollte.

Ganz so sieht Herr Spaenle das wohl nicht, er besucht den LSR nämlich nur einmal im Jahr, die LandesschülerInnenvereinigung Bayern e.V. ist nach seiner Aussage ein Kommunistenpack und für die StadtschülerInnen Vertretung München hat er keine Zeit. Zwei Schüler sieht er täglich, dass klingt gut, vielleicht begegnet er so auch einmal der kritischen Masse, doch die zwei Schüler sind seine Töchter und das zählt wohl kaum.

Hieraus erschließt sich, dass Dr. Ludwig Spaenle das Fach Dialog mit Schülern leider gar nicht erst belegt hat.

 

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