Alternativen zu Noten – Zora

 Alternativen zu Noten – Zora

So jetzt habt ihr sein Zeugnis mit Bewertung gesehen… Ihr seht, er ist nicht wirklich gut weggekommen. Obwohl es am Schluss einen Schnitt von 2,8 ergibt. Doch was sagt ein Durchschnitt schon aus? Mit Wahlfächern wie „Bayerische Traditionen pflegen“ kann man seinen Schnitt natürlich heben.
All die positiv ausgedrückten Noten spielen aber keine Rolle, da er im Fach “Sich für Schülerrechte einsetzen“ eine 6 bekommen hat!
Außerdem, rechnen wir ihm diese Leistung auch wirklich positiv an, oder zieht das seinen Schnitt nur noch weiter runter? Eher letzteres!
Muss es heutzutage, also in dieser weitestgehend weltoffenen Gesellschaft, sein,  ist es wirklich sinnvoll, vermittelt es die richtigen Werte, wenn in jedem Klassenzimmer ein Kreuz hängt? Wieso ist es dann nicht auch gegeben, dass beispielsweise überall eine Buddha Statue steht, oder, dass es selbstverständlich ist, dass muslimische Mädchen im Unterricht ein Kopftuch tragen dürfen? Wieso steht die Ehrfurcht vor Gott nach wie vor als oberstes Bildungsziel?

„Wir brauchen keine Bewertung durch Noten, wir brauchen konstruktives Feedback!“

Also. Wie die Luka euch ganz am Anfang schon erzählt hat, gibt es bei dem ganzen Notensystem SEHR(!)viele negative Aspekte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Schülerinnen und Schüler durch den Notendruck zu Schaden kommen! Schon im Kindesalter wird den Menschen beigebracht, dass sie alles tun müssen, um zu den Besten der Gesellschaft zu gehören.
Es wird nicht das vermittelt, was man sich vorstellen würde, wenn man an einen Haufen junger Menschen denkt, die Tag für Tag beieinander sind und miteinander arbeiten. Man denkt an Zusammenhalt, Kameradschaft und Gemeinschaftsgefühl. Aber Nein! Es werden Egoismus und Einzelkampf vermittelt. Dadurch werden soziale Kompetenzen behindert! Beste Freunde kommen in Konfliktsituationen durch Eifersüchteleien. Gute Schüler werden aufgrund eben dieser als „Streber“ bezeichnet.
Der Reformpädagoge Otto Herz hat mal gesagt: „Schau man sich doch alleine mal die Abitursituation in den Turnhallen an. Dort werden alle möglichst weit auseinander gesetzt und es scheint so, dass  bloß keiner auf den Gedanken kommen sollte, dass es im Miteinander vielleicht besser klappt …“
In der Schule wird den Kindern und Jugendlichen beigebracht, dass es nur richtig oder falsch gibt. Die eigene Meinung ist nicht erwünscht.
Wir leben in einem demokratischen Staat, aber wieso gibt es keine demokratischen Schulen? Reichen 3 Jahre „Bulimielernen“ im Sozialkundeunterricht aus um danach als demokratischer Bürger zu gelten? Während man nebenbei durchgehend unter Stress steht, sich gegenseitig ausspielt, im Kampf um gute Noten?!
Für die kreative Entfaltung bleibt durch den Notendruck sowieso kein Platz.
Noten bringen aber nicht nur Probleme in der Sozialkompetenz. Auch physische und psychische Belastungen treten immer mehr auf. Dies führt von Prüfungsangst, über heftige Depressionen, über Schulangst und vieles mehr.
Die Kinder stehen permanent unter immensem Erfolgsdruck. Selbst Erstklässler. Die kleine Schwester einer Kollegin aus der Schülervertretung hat einmal in der ersten Klasse geweint und gefragt: „Was mache ich wenn ich es nicht aufs Gymnasium schaffe?“. Ein 7 jähriges Mädchen.
Jeder fünfte Schüler leidet unter psychosomatischen Beschwerden. Das bedeutet eine körperliche Beschwerde, die von psychischen Problemen herführt.

Es gibt so viele Faktoren, die das Notenbild beeinflussen, die jedoch weder berücksichtigt, noch einberechnet werden!
Ich erzähle jetzt die Geschichte von einem Mädchen, das ich sehr gut kenne… Sie ist eine 17 jährige Schülerin in der 10. Klasse. Sie war im letzten Jahr Schülersprecherin, ist es auch dieses Jahr wieder, war das letzte Jahr auch noch Tutorin, tanzt, engagiert sich in der StadtschülerInnen Vertretung, im Münchner Schüler Büro und macht gleichzeitig auch noch das Gymnasium. Sie ist unglaublich engagiert und das macht auch ihr Leben aus! Sie ist glücklich wenn sie das macht!
Das Problem ist: Engagement kostet Zeit. Lernen kostet Zeit. Die Schülerin hat gleichzeitig auch noch Konzentrationsprobleme. Das hat dazu geführt, dass sie im letzten Jahr das Schuljahr trotz wochenlangem Lernen ganz knapp nicht bestanden hat. In nur zwei Fächern war sie ein kleines bisschen zu schlecht. Sonst sah ihr Zeugnis wirklich ordentlich aus.  Der Dank für ihr Engagement war also, dass sie durchgefallen ist. Jetzt ist sie wieder in der 10. Klasse. Sie muss dank des Notensystems unglaublich aufpassen, dass sie nicht noch einmal durchfällt, da sie dann das Gymnasium verlassen müsste und ohne wirklichen Schulabschluss dastehen würde. Ihr Engagement wird sie nicht aufgeben, natürlich wird es aber durch die Umstände eingedämmt. Der einzige Ausweg aus ihrer Situation ist, in unserem Bildungssystem der, dass die Eltern genug Geld haben, um eine Nachhilfe zu zahlen. All ihr Engagement und das Kämpfen werden jedoch nicht mit in die Notengebung einberechnet. Im Zeugnis steht nur die Leistung, die direkt in der Schule, größtenteils durch Bulimielernen auf die Testpapiere gekotzt wird. Alles andere wird einfach vergessen und mit nichts weiter als einem winzigen Kommentar „Die Schülerin hat ihr Amt als Schülersprecherin engagiert ausgeführt.“,  auf dem Zeugnis des Mädchens festgehalten. Das Mädchen bin ich.

Warum, frage ich mich, werden uns all die Strapazen angetan, wenn es so viele andere, bessere Möglichkeiten gibt?
Fangen wir mit dem allseits bekannten und auch umstrittenen System „der Waldorfschule“ an. Hier werden die Schüler*innen spielerisch und projektarbeitend durch ihre Schullaufbahn geführt. Sie müssen keine Angst haben durchzufallen. Jeder wird individuell gefördert und in Etappen, so genannten Epochen, werden die Themen vertieft. Neben dem „normalen“ Schulstoff wird nebenbei auch noch die Kreativität, beispielsweise in Theaterepochen, oder auch, in den unteren Klassen, durch die selbstständige Illustration der Schulhefte, gefördert.
Aber wie soll man Engagement im Theater denn bitte mit Noten bewerten? Eben gar nicht!
Deshalb bekommen alle Schüler*innen als Zeugnis einen ausformulierten Text, ähnlich wie ein Praktikumszeugnis, in dem die Stärken und Schwächen aufgezeigt werden.
So und jetzt stellt euch mal vor, man würde ein NOCH besseres Bewertungssystem haben als die Waldorf- und Montessorischulen. Dann würden die Schüler*innen ein Protokoll von einem Gespräch mit den Lehrern bekommen. Hierbei kann Persönliches berücksichtigt und auf die individuellen Kompetenzen eingegangen werden. Aus diesen Protokollen liest sich dann auch nicht nur heraus, was der Lehrer denkt, sondern auch die eigenen Erfahrungen des Schülers.
Dies ist nur eine Form des konstruktiven Feedbacks, wichtig ist nur, dass man die Talente jedes Schülers entdeckt und fördert, anstatt in Form einer Note auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu setzen. Denn das kann so nicht weitergehen.
Wäre es nicht die Aufgabe des Staats für eine Schulform zu sorgen mit der möglichst viele Menschen des Staats glücklich sind, kann es sein, dass nur Kinder mit reichen Eltern die Möglichkeit bekommen freie Auswahl über die Vielfalt der Systeme der Schule zu genießen? Der Staat sollte nicht nur dafür sorgen, dass es eine Schule für alle gibt, sondern eine Schule für jeden!
Wo bleibt die Chancengleichheit von der so viel gesprochen wird?

 

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