Neujahrsempfangsrede 2017

Am 20. Januar lud der Oberbürgermeister Dieter Reiter und das Münchner Schülerbüro e.V. die SchülersprecherInnen und VerbindungslehrerInnen zum Neujahresempfang 2017 ein. Die Stadtschülervertreterin Zora Siebauer überzeugte mit ihrer persönlichen und ehrlichen Rede, in der sie anhand des Familienmotivs erklärte, was ihr Engagement und Schülervertretung bedeuten.

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Verbindungslehrkräfte, liebe Schülerinnen und Schüler!
Auch ich freue mich sehr, Euch und Sie auf dem Neujahrsempfang 2017, im Namen der StadtschülerInnenvertretung München, begrüßen zu können!

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Es ist ein Jahr vergangen, auf das ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurückschaue.
Das weinende, weil es so schnell vorüber ging.
Das lachende… das kann ich nicht so kurz zusammenfassen! Das lachende, weil es ein weiteres großartiges Jahr in der Schülervertretung war.
Wir als Gemeinschaft haben nicht nur Projekte auf die Beine gestellt!
Haben unser Demokratieverständnis durch Kundgebungen erweitert.
Haben durch SchülerInnenkongresse hunderten von jungen Menschen neue Erkenntnisse und Bereicherungen aus verschiedensten Bereichen mit auf ihren Weg gegeben.
Oder vor kurzem, da war ich noch in der Schule und spürte wie mir das dreckige Kreidewasser aus dem Tafelputzschwamm in den Ärmel lief. Ich fluchte darüber, dass wir die Technik nicht so nutzen, wie es uns möglich wäre – und schon gibt es Hack your School. Bei diesem Projekt arbeiten nächstes Wochenende Schülerinnen und Schüler an Ideen, die „digitale Speichermedien“ nicht pauschal ablehnen, sondern hinterfragen und in den Unterricht einbinden.
Nein, ich habe auch persönlich unglaublich viel aus diesem Jahr mitgenommen!

Ich weiß noch genau, als ich vor einem Jahr, als mehr oder weniger kleine, verschreckte Schülersprecherin mit schlotternden Knien vor der StadtschülerInnenkonferenz stand. Dort wird jedes Jahr der Vorstand der SSV gewählt, der seit dem Stadtratsbeschluss 2008 demokratisch legitimiert ist. Ich habe fast gehofft, dass ich nicht gewählt werde. Und das, obwohl ich mit meinen 16 Jahren bei weitem nicht die jüngste Schülervertreterin war!
Doch als ich dann gewählt dort auf der Bühne stand, die rote Mappe mit den weiteren Informationen fest umklammert, kam zu meinen zittrigen Händen noch etwas anderes hinzu:
Ein neugieriges, wohlig-warmes Gefühl im Bauch!
Es war Freude! Freude darüber, dass ich eine Familie gefunden hatte, eine Familie, mit der ich jede Woche so viel Zeit verbringe.
Eine Familie, in der alle, egal wie alt, wie groß, welche Nationalität oder Sexualität er oder sie hat, gleichwertig behandelt wird.
Eine Familie, die mir das Wort Zusammenarbeit definiert,in der ich so viel lerne, in der jeder für jeden mitdenkt
Es ist eine Familie, mit der man Träume realisieren kann, mit der man, trotz 2 Stunden Schlaf, auf einem Seminar am nächsten Morgen produktiv weiterarbeiten kann.

Ich habe eine Familie gefunden, die genauso etwas verändern will wie ich.
In der SchülerInnenvertretung fand ich eine Form von Halt, die ich noch nie zuvor gespürt hatte!
In meiner Familie, fühlte ich mich nie wieder alleine! Vor allem nicht, wenn es darum geht, dass mir die Schule nicht gefällt, so wie sie ist.

Wir wollten etwas verändern, und wollen dies auch immer noch!

An dieser Stelle möchte ich kurz unterbrechen, um Euch allen einen kleinen Film zu zeigen. Genauer, einen Impuls vom SchülerInnenkongress besser::16:

ich will was machen, was verändern!“

Und auch Ihr seid heute alle hier, weil Ihr die Schule lebt, weil ihr sie voranbringen wollt!
Ihr wollt was machen, was verändern.

Ihr verbringt jede Woche mindestens 30 Stunden in der Schule.
Im schlimmsten Fall wird uns in diesen 30 Stunden trockene Theorie in unsere Köpfe gepresst. Wir lernen leistungsorientiert, futtern das Wissen vor Tests in uns hinein, um es dann aufs Papier zu kotzen und weg damit. Platz für neues Wissen schaffen.

Dafür, Dinge zu hinterfragen, ist leider in der Schule oftmals kein Platz. Beziehungsweise, selbst wenn das Hinterfragen stattfindet, wird es zu oft nicht geäußert, weil es nicht erwünscht ist.
Im Impulsvideo hat uns das Mädchen erzählt, dass ihr gesagt wurde, sie sei dumm, weil sie ihre eigene Meinung sagte.
Die Geschichte ist leider nicht erfunden! Und das, obwohl es sogar im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz festgeschrieben ist, dass Schülerinnen und Schüler das Recht haben, ihre Meinung frei zu äußern.

Die US- amerikanische Ethnologin Margaret Mead sagte einst:

„Children must be taught how to think, not what to think“

 Kindern muss also beigebracht werden wie man denkt, und nicht was man denkt.

Wir brauchen niemanden, der uns in der Schule übermäßig vorschreibt, was wir zu tun und zu lassen haben. Wir brauchen jemanden, der uns neben der Wissensvermittlung hilft unsere Persönlichkeiten weiterzuentwickeln.
Der uns Raum gibt, uns zu finden, unsere Gedanken und Träume auszuleben! Und dazu gehört auch, dass wir frei sagen dürfen, was wir denken und fühlen, ohne dafür verurteilt oder bewertet werden!
In der Schule geht es um Noten, die unser Leben beeinflussen. Da gibt es selten persönliche Meinungen unsererseits über das Bildungssystem.

Wir dürfen uns jedoch auch nicht auf dem bloßen Gedanken ausruhen, dass sich etwas ändern muss! Wir müssen aktiv werden und dafür einstehen, was wir wollen, daran glauben, dass wir etwas verändern können!
Engagiert euch für das, was euch wichtig ist!

Habt keine Angst, dass etwas schief gehen könnte, denn selbst wenn, dann versucht ihr es eben am nächsten Tag noch einmal! Jeder darf Fehler machen!

Ich möchte euch hier an dieser Stelle sagen: Ich würde mich sehr freuen, Euch in meiner Familie willkommen heißen zu dürfen!
Traut euch! Denn, und an dieser stelle zitiere ich ein Mädchen aus dem besser::16 Abschlussfilm:

„Wer nichts wagt, kann nichts gewinnen!“