Städte den ländlichen Gebieten vorziehen – Aileen

Städte den ländlichen Gebieten vorziehen – Aileen

Vergesst mal für einen Moment das rege Treiben der Stadt und begleitet mich stattdessen auf eine Reise weit weg von hier, in die wunderschönen, ländlichen Gebiete Bayerns.
Stellt euch vor, ihr wärt jung, unerfahren, steht kurz vor einer der wichtigsten Entscheidungen eures Lebens. Ihr hab einen 1,0 Schulabschluss – Grundschulabschluss – und euch steht eine vielversprechende Schulkarriere bevor.
Euer bester Freund und ihr seid beide erst 10 und wisst aber schon genau auf welche Schule ihr gehen wollt – es gibt ja auch nur eine in eurem Kaff.
Dass ihr auf eine Mittelschule geht, lag offensichtlich nicht an einem schlechten Notendurchschnitt, sondern wohl eher daran, dass das drei-gliedrige Schulsystem leider a) drei verschiedene Schularten voraussetzt und b) nicht auf eine Schule konzipiert ist.

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„Schüler vom Land sind im Vergleich zu denen aus der Stadt im Nachteil!“

Tja, jetzt seid ihr an der örtlichen Mittelschule und während ihr euch im Unterricht langweilt, träumt ihr manchmal von einer Gesamtschule, in der alle gemeinsam individuell lernen können anstatt nach Schulart getrennt “dem Leistungsniveau angepasst”. Wäre es nicht cool, wenn es eine Schule gäbe, in der alle an einem Ort gleichermaßen gefordert werden, sodass man sich zum Beispiel die langen Wege zu einer weit entfernten Schule sparen könnte?
Ihr wisst schon worauf ich hinaus will oder?
Um auf nächste Gymnasium, das 16 Dörfer weiter liegt zu gehen, hättet ihr wohl oder übel täglich je zwei Stunden Busfahrt hin und zurück auf euch nehmen müssen – ohne euren besten Freund; dafür natürlich plus dem zusätzlichen Stress und dem Risiko, den Bus in der Früh einfach zu verpassen und somit – bei der so nahtlosen Verkehrsanbindung auf dem Lande, wo der nächste Bus frühestens in 3 Stunden kommt – auch gleich den gesamten Schultag vergessen.
Ein Teil aber, wiegt noch viel schwerer: Die Fahrtkosten. Schule wurde ja augenscheinlich kostenlos gemacht, um Chancengleichheit zu ermöglichen, doch die bis zu 200 Euro für Bus- oder Zugtickets, zeugen von etwas anderem.
Wenn für SchülerInnen aus ländlichen Gebieten Bildungschancen sowohl vom Wohnort, vom Verkehr, als auch vor allem vom Einkommen der Eltern abhängig sind, dann hat unser Kultusminister mal wieder ganze Arbeit geleistet, wofür er eigentlich fast eine 2 bekommen hätte, wenn er die städtischen SchülerInnen in puncto Fahrtkosten nicht genauso unbeachtet gelassen hätte. (3+)

 

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