Berliner Abitur anspruchslos?! – SchülerInnenvertretung findet Josef Kraus Vorschlag anspruchslos

Ein Statement von Nora Fath im Namen der StadtschülerInnen Vertretung München.


Einführung: Jedes Jahr schwitzen um die 450.000 Jugendliche deutschlandweit über den Abiturprüfungen um eine allgemeine Hochschulreife zu erlangen. Dieses länderübergreifende Zeugnis wird nahezu überall als Zulassung für Universitäten und Hochschulen gewertet. Um dieses Zeugnis zu erwerben muss man 12/13 Schuljahre absolvieren und anschließend in mehreren Prüfungen das Erlernte unter Beweis stellen. Durch unsere föderalistische Bildungspolitik werden deutschlandweit jährlich 16 verschiedene Abiture entworfen entsprechend der 16 verschiedenen Lehrpläne. Daraus resultieren logischerweise auch unterschiedliche Prüfungsniveaus und sowieso schwankende Leistungsergebnisse.

Kritik: Dass diese Methodik nicht unbedingt fair ist, hat auch Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrer*innenverbandes erkannt. Zur Lösung eines solch komplexen Problems macht er einen sehr einfachen und wohl wenig reflektierten Vorschlag:
„Anspruchsvollere“ Bundesländer wie Bayern sollen die Abiture „anspruchsloser“ Länder wie Berlin in Zukunft nicht mehr anerkennen.
Er schlägt vor, der allgemeinen Hochschulreife zukünftig außerhalb der Landesgrenzen ihre Gültigkeit zu entziehen, sodass diese beim Betreten des Elitefreistaats Bayern zu einem wertlosen Papier wird.
Schüler*innen sind schon lange Opfer eines fremdbestimmten, schlecht konzipierten Bildungssystems, doch nun sollen ihnen auch noch die erbrachten Leistungen aberkannt werden, nur weil sie in der „falschen“ Stadt zur Schule gegangen sind? Mit diesem überaus destruktiven Plan werden weder die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer verbessert noch die Aufnahmekriterien der Universitäten differenzierter und somit fairer. Gleichzeitig werden wir aber bei unserer Hochschulwahl massiv eingeschränkt: Stellen wir uns nur Mal vor, es verwehren bayrische Universitäten Berliner Schulabsolvent*innen wirklich die Bewerbung, zieht Berlin dann ähnlich konstruktive Konsequenzen? Dürfen dann auch die bayerischen Abiturienten bald nicht mehr in der Hauptstadt studieren?
Natürlich traf Josef Kraus dieses unbedachte Statement ohne jegliche Rücksprache mit uns Schüler*innen. Doch wie immer geht es um unsere Zukunft, die dann auf höchster Ebene durch solche Aussagen gefährdet wird.

Vorschlag: Aus meiner Sicht ist der ungerechten Studienplatzverteilung aufgrund von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden der Abiture nur mit einer einzigen Haltung zu begegnen, der Forderung nach Themen bezogenen Eignungstests als Aufnahmekriterium an Universitäten. So wird einerseits der immense Erfolgsdruck, der auf Abiturient*innen aufgrund bestimmter Numerus Clausus lastet, ausgehebelt und andererseits eine herkunftsunabhängige Selektion der Universitäten gewährleistet.